Bedürfnisorientierte Erziehung – ein Weg zum harmonischen Miteinander?

Veröffentlicht am: 

03

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2026

Das Team der Frühen Hilfen der Caritas-Beratungsstelle: (v.l.) Cathrin Vörckel, Christina Riethues, Silke Stratmann, Anke Oelgeklaus

In den letzten Jahren hat sich die bedürfnisorientierte Erziehung immer mehr zu einem wertvollen Erziehungsstil etabliert. „Der Fokus liegt dabei darauf, die Perspektive des Kindes einzunehmen und seine Bedürfnisse wahrzunehmen und bestenfalls liebevoll und angemessen zu beantworten“, so Cathrin Vörckel, entwicklungspsychologische Beraterin bei der Beratungsstelle der Caritas im Tecklenburger Land. Dabei geht es jedoch nicht darum, dass jeder Wille eines Kindes durchgeht – ganz im Gegenteil: Grenzen und Leitung geben einen sicheren Rahmen für Kinder.

 

Beginnen wir bei den Säuglingen: Sie stehen in einem ganz engen Austausch mit ihren wichtigsten Bezugspersonen. Der Dialog mit der Umwelt ist von Geburt an angelegt. Auf die Signale eines Babys folgt das Fürsorgeverhalten der Erwachsenen. So erlebt sich ein Kind als selbstwirksam und wendet sich mit seinen Signalen immer wieder an diejenigen, die darauf reagieren. Bleibt eine solche Reaktion aus, etwa wenn Schreien dauerhaftunbeachtet bleibt, kann es dazu kommen, dass sich ein Baby zurückzieht und seine Signale reduziert. „Das wäre sehr schade, denn so können die Erwachsenenviel weniger lesen, was im Kind vor sich geht und das Kind empfindet sich als weniger selbstwirksam,“ erklärt Anke Oelgeklaus aus dem Team der Frühen Hilfen.

 

Emotionale Sicherheit bildet die Grundlage für die gesamte kindliche Entwicklung. Studien zeigen, dass Kinder, die in einem Umfeld aufwachsen, in dem ihre Bedürfnisse wahrgenommen und respektiert werden, im späteren Leben seltener psychische Belastungen entwickeln. Sie sind oft aus geglichener und zeigen häufiger empathisches Verhalten anderen gegenüber.

 

Eine respektvolle Erziehung schließt dabei auch die Bedürfnisse der Erwachsenen ein. Selbstfürsorge ist ein wesentlicher Bestandteil eines stabilen Familiensystems. Eine völlige Selbstaufgabe fördert kein gesundes und funktionierendes Zusammenleben.

 

„In den letzten Jahren wenden sich vermehrt Eltern mit Erschöpfungssymptomen an die Beratungsstelle“, weiß Silke Stratmann als langjährige Mitarbeiterin und Kindertherapeutin der Beratungsstelle. „Häufig ist ein Kreislauf zwischen Beruf, Familie und anderen Aufgaben entstanden, sodass keine Erholungspausen mehr möglich sind.“ Die Beraterinnen appellieren daher an Eltern, auch die eigenen Grenzen im Blick zu behalten. Bedürfnisorientierung bedeute nicht, jederzeit jedem Wunsch folgen zu müssen. Vielmehr gehe es um einen respektvollen Umgang innerhalb des Familiensystems, der sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch die der Erwachsenenberücksichtigt. Immer wieder bekommen die Beraterinnen die Frage gestellt, ob ein „Nein“ dem Kind schade. „Im Gegenteil“ erklärt Christina Riethues, „Es fördert die so wichtige Leitung und Sicherheit für Kinder. Die Balance zwischen dem Folgen der Bedürfnisse und positiver Leitung ist das Erfolgsrezept.“