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Stand: 28.06.2017

Pressemitteilung

Zeit zum Austausch und Krafttanken

TECKLENBURGER LAND. Sigrid Misch weiß genau, warum sie sich im Gesprächskreis für Angehörige von Demenzerkrankten engagiert. „In der Gruppe geben wir einander sehr viel. Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagt die Ibbenbürenerin. Vor mehr als zehn Jahren erkrankte ihr Ehemann an Demenz. Eine wichtige Kraftquelle findet sie seither im Austausch mit anderen Angehörigen von Demenzpatienten. Heute ist sie Ansprechpartnerin des Gesprächskreises Demenz unter dem Dach des Caritasverbandes Tecklenburger Land. Unterstützt wird sie dabei von Marlies Nüssemeier.

An jedem ersten Montag im Monat kommt die Gruppe im Caritas-Gebäude an der Klosterstraße 19 in Ibbenbüren zusammen. Dort finden die Gäste Gelegenheit, sich bei einer Tasse Kaffee auszutauschen über ihren Alltag, ihre Sorgen und auch über die schönen Dinge des Lebens. „Bei uns gilt die Regel, dass alles, was gesagt wird, im Raum bleibt“, betont Sigrid Misch. „So kann man alles sagen und auch mal den Tränen freien Lauf lassen, wenn die Anspannung sehr groß ist.“

Als Angehörige weiß Sigrid Misch, wie fordernd der Alltag im Schatten einer Demenzerkrankung ist. „Die Problemlagen sind vielfältig: Da sind zum Beispiel Alltagsgespräche, die nicht mehr wie gewohnt gelingen. Manche Patienten werden sehr aggressiv und unruhig, wenn sie spüren, dass sie vieles nicht mehr verstehen“, beschreibt Sigrid Misch. Um den Alltag bewältigen zu können, müssen Angehörige zuweilen sehr einfallsreich sein.

Und sie müssen viel einstecken. „Eine Frau aus unserer Gruppe sagte mir einmal: ,Ich muss immer so viel schlucken. Wenn ich dann zu unseren Treffen gehe und mich aussprechen kann, geht es hinterher wieder gut.' Es hilft einfach sehr, sich über Kleinigkeiten auszutauschen“, weiß Sigrid Misch aus eigener Erfahrung. Oftmals stoßen Angehörige von Demenzerkrankten bei Außenstehenden auf Unverständnis. „Man wird mit der Zeit unheimlich sensibel dafür“, sagt die Ansprechpartnerin. Dabei steht nicht allein die Krankheit der Angehörigen im Mittelpunkt der monatlichen Treffen. „Wir sind ganz fröhlich miteinander und unterhalten uns oft über ganz andere Dinge.“ Manche Gäste treffen sich auch außerhalb des Gesprächskreises zu eigenen Unternehmungen.

Im Mittelpunkt der Gruppentreffen steht der persönliche Kontakt. „Wir sind kein medizinisches Fachpersonal und können keine professionelle Beratung leisten. Aber wir können im Bedarfsfall schon auch einen Tipp geben, wo es weitere Hilfen gibt“, beschreibt Sigrid Misch das Selbstverständnis des Gesprächskreises. Als Ansprechpartnerin freut sie sich über die vielen positiven Rückmeldungen, die sie im Laufe der Zeit erfahren hat. Bei Bedarf steht sie auch außerhalb der Gruppentreffen für Anfragen zur Verfügung. Der Austausch mit anderen Betroffenen ist auch für sie persönlich eine große Bereicherung: „Das gibt mir sehr viel.“

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