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Stand: 28.06.2017

Pressemitteilung

Weil echte Männer reden und nicht zuschlagen

TECKLENBURGER LAND. Der Slogan für das neue Beratungsangebot des Caritasverbandes Tecklenburger Land ist eingängig. „Echte Männer reden“ ist die Krisen- und Gewaltberatung für Jungen und Männer überschrieben. Ab dem 1. März ist  Caritasmitarbeiter Markus Temmen mit einer halben Stelle in diesem Bereich tätig. „Wir beraten Jungen und Männer, die sich in einer Krise befinden oder zum Beispiel gegenüber ihrer Partnerin oder ihren Kindern gewalttätig werden“, erläutert der Sozialpädagoge und systemische Familienberater.


Im Gespräch mit dem Berater können Männer und Jungen lernen, Gründe für ihre Krise zu verstehen und ihr gewalttätiges Verhalten zu ändern. „Ganz wichtig ist natürlich die eigene Motivation. Sie müssen etwas an ihrer Situation ändern wollen“, betont Markus Temmen. Die Krisen- und Gewaltberatung wird aus Bistumsmitteln gefördert. Seit einiger Zeit widmet sich das bistumsweite Netzwerk „Krisen- und Gewaltberatung für Männer und Jungen“ diesem Thema. Der Anstoß, ein solches Angebot in der hiesigen Region zu etablieren, kam hauptsächlich von Caritasverbänden aus dem Bistum, die eine entsprechende Beratung bereits seit Jahren erfolgreich vorhalten, sagt Markus Temmen.


Die Beratung richtet sich nicht allein an Gewalttäter im häuslichen Umfeld. „Sie nimmt Männer in den Blick, die in einer akuten Krise stehen und mit ihren Problemen und ihrer Gewaltbereitschaft nicht zurechtkommen“, so Markus Temmen, der in diesem Jahr die spezielle Weiterbildung Phaemoberatung® Schwerpunkt Gewaltberatung Männerarbeit/ Jungenarbeit abschließt. Warum es einigen Männern und Jungen so schwerfällt, ihre Konflikte ohne körperliche Gewalt zu lösen? „In unserer Gesellschaft gibt es noch immer sehr traditionelle Männerbilder. Es herrscht bei manchen Männern noch immer die Devise: Wer mit seinen Problemen als Mann nicht allein zurechtkommt, ist ein Versager und kein richtiger Mann“, so der Berater.

Andererseits sähen sich Jungen und Männern heute sehr komplexen Anforderungen gegenüber. „Sie sollen ihre Familie ernähren und beschützen, beruflich erfolgreich sein, verständnisvoll sein und Gefühle zeigen, ihre Vaterrolle übernehmen. Da kommen viele an ihre Grenzen“, so Markus Temmen. Viele Männer hätten nie gelernt, ihre Gefühle und Bedürfnisse angemessen wahrzunehmen, geschweige denn, offen über sie zu sprechen. Gerade für junge Männer gestalte sich zuweilen der Übergang von Schule in Beruf sehr schwierig und sie hätten Probleme, ihre neue Rolle zu finden.


Für die Beratung ist es entscheidend, dass es die Klienten mit einem Mann zu tun haben. „Die Berater arbeiten als Männer mit den Jungen und Männern“, sagt der Caritas-Mitarbeiter. Als männlicher Berater zeige er Solidarität gegenüber den Ratsuchenden. „Ich höre zu, gebe meinem Gegenüber Wertschätzung – aber ich toleriere keinesfalls seine Gewalt.“ Im Gegenteil. Wichtig sei es, mit den Klienten Klartext zu reden und sie aufzufordern, dass sie Verantwortung für ihre Taten übernehmen.


„Dann müssen sie alternative Wege lernen, Frust abzubauen und Konflikte zu lösen. Sie müssen lernen, zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist, anstatt was da sein sollte, gewesen ist oder sein wird. Und sie müssen lernen, das auszusprechen, was sie wirklich empfinden und denken, und nicht das, was von ihnen erwartet wird“, beschreibt Markus Temmen Ziele der Beratung. Er ist überzeugt: „Das Problem von Gewalttätigkeit in der häuslichen Umgebung ist ohne Beratung nicht zu lösen.“


Kontakt: gewaltberatung@caritas-ibbenbueren.de oder unter 0171/ 3010 652. Informationen auch unter www.echte-männer-reden.de

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