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Stand: 28.06.2017

Pressemitteilung

Sensibler Blick auf psychische Belastungen von Eltern

TECKLENBURGER LAND. Mit insgesamt 913 Beratungsfällen verbucht die Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder für 2016 leicht steigende Fallzahlen. „Trennung und Scheidung gehören nach wie vor zu den häufigsten Themen in den Beratungen“, sagt Christiane Fließ, die die Beratungsstelle unter dem Dach des Caritasverbandes Tecklenburger Land leitet. In den vergangenen Jahren schauen die Mitarbeiter zunehmend sensibel auf psychische Belastungen von Eltern. „Es gibt mehr Familien, bei denen im Laufe der Beratung deutlich wird, dass ein Elternteil psychisch belastet ist“, so Christiane Fließ.

Dabei liege längst nicht immer eine psychische Erkrankung vor. Dennoch wirke sich die psychische Belastung von Eltern auf die ganze Familie aus. „Mit unserer Beratungsstelle machen wir ein sehr niedrigschwelliges Angebot. Da ist es gut, dass sich diese Familien an uns wenden“, ist Christiane Fließ überzeugt. Denn dank der vielfältigen Hilfsangebote sowohl unter dem Dach des Caritasverbandes Tecklenburger Land als auch darüber hinaus, könnten die Berater die Betroffenen häufig auf weiterführende Unterstützung aufmerksam machen. Im Bereich Frühe Hilfen bietet der Caritasverband entwicklungspsychologische Beratung, zum Beispiel mit Einsatz von Video. „Vor allem für diese Klienten ist es eine gute Methode, sich vor Augen zu führen, wo Ressourcen sind und was gut klappt in der Erziehung“, erläutert Christiane Fließ. Das stärke Eltern und trage dazu bei, vorhandene Unsicherheiten abzubauen.

Die Beratungsstelle hält ein eigenes Gruppenangebot für Acht- bis Zwölfjährige, deren Eltern psychisch belastet sind, vor. „Kinder psychisch belasteter Eltern fühlen sich eher isoliert und nehmen seltener andere Kinder mit nach Hause“, erklärt die Psychologin. In der Gruppe beschäftigen sich die Kinder unter anderem mit Fragen, wie sie reagieren können, wenn es einem Elternteil nicht so geht, wie sie das Geschehen für sich einordnen und sich auch abgrenzen können. „Bei diesem Thema versuchen wir uns noch näher zu vernetzen mit Angeboten der Psychiatrie und dem sozial-ambulanten Dienst“, erklärt die Leiterin der Beratungsstelle. Und auch die Mischung im eigenen Team mit Sozialarbeitern und Psychologen öffne den Blick für neue Lösungsansätze.

Der Schwerpunkt der Beratungen lag auch 2016 bei Familien mit Kindern im Vorschul- und Grundschulalter. Für den Altersbereich von 0 bis drei Jahren steigen die Anmeldezahlen. Neben Beratungen in Kindergärten, Familienzentren und Grundschulen bietet die Beratungsstelle regelmäßig eine Präventionssprechstunde im Klinikum Ibbenbüren an. Dort erreichen die Berater junge Familien unmittelbar um den Zeitpunkt zur Geburt eines Kindes. Das spiegelt sich auch in den Fallzahlen von Familien mit Kindern dieser Altersgruppe.

Die Anzahl von Ratsuchenden mit Migrationshintergrund steigt. 2012 hatten rund acht Prozent der betreffenden Kinder mindestens einen ausländischen Elternteil, heute sind es knapp 18 Prozent. Für Christiane Fließ ist das ein gutes Zeichen: „Es bestätigt uns darin, dass wir breite Bevölkerungsgruppen erreichen.“

Die Belastungen der Familien können sehr vielfältig sein. Zwar geht es in den Gesprächen in erster Linie um Fragen der Erziehung und des Zusammenlebens von Familien. Im Hintergrund aber können weitere Probleme eine Rolle spielen. Im Jahr 2016 waren das bei 45 Prozent der Herkunftsfamilien Trennung und Scheidung. Psychische Auffälligkeiten oder Suchtprobleme eines Elternteils waren in 35 Prozent der Familien ein Problem. Hinzu kommen Paarkonflikte, materielle Nöte, Gewalterfahrungen oder die Erkrankung oder Behinderung eines Elternteils.

„In erster Linie aber wollen wir präventiv arbeiten. Deshalb richten wir uns an alle Eltern, die Fragen oder Probleme im Zusammenhang mit der Erziehung von Kindern haben“, betont Christiane Fließ.

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