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Stand: 28.06.2017

Pressemitteilung

Juristin rät zu besonnenem Umgang mit kirchlicher Tradition

TECKLENBURGER LAND. Es ist ein hohes Gut, aber Kirchengemeinden sollten nur nach kritischer Prüfung davon Gebrauch machen – das ist der Tenor einer Informationsveranstaltung rund um Thema Kirchenasyl. Auf Einladung der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus, des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und des Caritasverbandes Tecklenburger Land stellte die Juristin des Diözesancaritasverbandes Antonia Plettenberg im Pfarrheim St. Michael in Ibbenbüren alle Facetten der alten Tradition des Kirchenasyls dar. Vor allem ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe aus dem gesamten Tecklenburger Land waren der Einladung zum Infoabend gefolgt.

Als Kirchenasyl wird die vorübergehende Aufnahme von Flüchtlingen in eine Pfarrei oder Kirchengemeinde verstanden. Ziel ist es, die schutzsuchende Person vor einer Abschiebung zu bewahren, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellt. „Die Vorgaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Zusammenhang mit dem Kirchenasyl sind verschärft worden“, erläuterte die Juristin. So müssten Kirchengemeinden, die einem Menschen Kirchenasyl gewähren, dieses umgehend dem BAMF melden. Zudem muss das katholische Büro in Düsseldorf zwingend beteiligt werden. Innerhalb von vier Wochen ist dann ein Dossier beim BAMF einzureichen, in dem detailliert dargelegt wird, warum der konkrete Fall noch einmal unter neuen Gesichtspunkten geprüft werden sollte. Zwar gebe es Absprachen der Kirchen mit dem BAMF zu Regeln für Fälle von Kirchenasyl schon seit 2015. Nun aber versuche das Bundesamt, Verstöße gegen diese Vorgaben zu sanktionieren, indem es in den sogenannten Dublin-Fällen die Überstellungsfrist von sechs auf 18 Monate verlängert. Die zuständige Ausländerbehörde hat dann drei Mal so viel Zeit, die betroffene Person in den zuständigen EU-Staat abzuschieben.

Entschließt sich eine Gemeinde zu diesem Schritt, sollte sie daher im Vorfeld prüfen, ob sie das Kirchenasyl auch für einen längeren Zeitraum in angemessener Weise aufrecht erhalten kann. Während der Dauer des Kirchenasyls ist die Kirchengemeinde auch in finanzieller Hinsicht für den Schützling verantwortlich. Die finanziellen Ressourcen müssen also geklärt werden. Anhand von Beispielen erläuterte Antonia Plettenberg, worauf konkret zu achten ist. Eine Unterbringung auf dem Gemeindegelände ist beispielsweise empfehlenswert, um den sakralen Bezug sicherzustellen.

Über die Erfahrungen der evangelischen Kirchengemeinde in Schale mit dem Thema berichteten die Pastoren Annette und Roland Wendland. Die Gemeinde hatte im vergangenen Jahr drei Personen Kirchenasyl gewährt, um diese vor der Abschiebung zu bewahren. Sie bestätigten, dass das Kirchenasyl eine große Bereicherung für die Gemeinde gewesen sei. Andererseits sei die Verantwortung auf Seiten der Gemeinde enorm. Antonia Plettenberg appellierte an die Zuhörer, im Falle eines Falles alle Regeln einzuhalten. „Wir dürfen nicht Gefahr laufen, diese Möglichkeit im Sinne der Menschlichkeit zu verlieren.“

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