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Stand: 28.06.2017

Pressemitteilung

Alles eine Frage von Bewegung

LAGGENBECK. Wenn die Pflegekräfte, Nachtdienstmitarbeiter, Betreuungsassistenten oder Präsenzkräfte im Haus Magdalena in Laggenbeck ihren Dienst tun, kann das zuweilen anstrengend werden. Schließlich helfen sie so manches Mal einem Bewohner der Senioreneinrichtung der Caritas-Altenhilfe Tecklenburger Land auf, wenden pflegebedürftige Menschen im Bett oder unterstützen beim Transfer vom Rollstuhl aufs Bett. „Für viele Dinge wenden wir mehr Kraft auf, als wir eigentlich müssten“, sagt Pflegefachkraft Maik Wölte. Denn wer es versteht, die vorhandenen Kräfte von alten und pflegebedürftigen Menschen bei seiner Arbeit zu nutzen, erleichtert viele Handlungen im Arbeitsalltag – und trägt auch zum Wohlbefinden der Bewohner bei. „Kinästhetik“ lautet das Zauberwort. Was sich dahinter verbirgt ist vor allem eine Frage von Bewegung.

Derzeit vermittelt eine Arbeitsgruppe um Maik Wölte sämtlichen Mitarbeitern im Haus Magdalena, was Kinästhetik im Pflegealltag bedeutet. Im Rahmen einer beruflichen Qualifizierung hat Maik Wölte es sich zur Aufgabe gemacht, die Grundzüge von Kinästhetik an seine Kollegen zu vermitteln. Unterstützt wird er dabei von seinen Kollegen Jutta Farwerk, Nina Lukmann und Sebastian Schuller.

„Wir schulen ganz gezielt nicht nur unsere Pflegekräfte“, betont Haus- und Pflegedienstleiter Frank Kenning. „Wir möchten, dass all unsere Mitarbeiter die Tipps beherzigen. Denn jeder hier im Haus hat etwas mit Mobilität zu tun“, so Frank Kenning. Im Laufe der kommenden Monate werden die einzelnen Berufsgruppen nach und nach geschult.

„Jede Berufsgruppe hat ihre ganz speziellen Fragen“, sagt Maik Wölte. An diesem Tag hat er die Nachtdienstmitarbeiterinnen zur praktischen Schulung geladen. Sie wünschen sich vor allem eine Erleichterung, wenn ein Bewohner aus dem Bett aufstehen möchte. „Wichtig ist, dass Ihr genau schaut, was derjenige noch selbst kann und wo er Unterstützung braucht“, rät Maik Wölte den Kolleginnen. Denn ein gutes Miteinander von Pflegefachkraft und Bewohner ist Dreh- und Angelpunkt in der Kinästhetik. „Es geht darum, die Bewegung wahrzunehmen und Ressourcen zu erkennen“, erläutert Maik Wölte.

Denn wenn die Kollegen sehen, welche Bewegung der Bewohner selbst noch gut ausführen kann und wie diese Kraft für die eigene Arbeit genutzt werden kann, verlaufen die Bewegungsabläufe sehr viel homogener. „Es geht auch darum, sich selbst und die eigene Bewegung zu beobachten“, so der Altenpfleger. „Wenn wir zum Beispiel aufstehen, bewegen wir uns zunächst nach vorn und dann erst nach oben.“ Platziert ein Pfleger also den Rollator mit ein wenig Abstand zum Bewohner, so beuge sich dieser automatisch vor. „Dann kommt der Rest des Körpers schon sehr viel leichter mit“, so Maik Wölte.

Dabei bietet die Kinästhetik keine vorgefertigten Bewegungsabläufe. Vielmehr sind die Mitarbeiter gefordert, gemeinsam mit dem jeweiligen Bewohner individuelle Abläufe zu trainieren. „Wenn wir zum Beispiel jemandem im Bett auf die Seite drehen, dann nutzen wir viel zu wenig die natürlichen Gegebenheiten. Eine Drehbewegung startet natürlicherweise entweder oben oder unten im Körper, also erst die Schulter, dann kommt die Hüfte automatisch mit. Und so weiter“, beschreibt die Fachkraft. Oft reiche es schon aus, die natürliche Bewegung anzubahnen. „Eigentlich sind es fast banale Dinge, die man beachten sollte“.

Die Verantwortlichen von Haus Magdalena wollen es aber nicht bei den theoretischen und praktischen Schulungen belassen. Angedacht sind weitere Workshops und auch Einzelfallbegleitungen. Dabei werden einzelne Mitarbeiter im konkreten Fall von einem der Multiplikatoren angeleitet. Eines zeichnet sich schon jetzt ab. Alle Mitarbeiter nehmen ihre Arbeit sehr viel bewusster wahr. Maik Wölte: „Das Grundrezept lautet: Ist irgendwas zu anstrengend, dann muss es überdacht werden.“

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